Gugg-A-Bier

.… nein wegen dem Bier waren wir nicht dort.

Bier

Am Wochenende 6. und 7.2.2010 war in Schwäbisch Gmünd das Internationale  Guggenmusiktreffen. Von alleine wäre ich nie auf die Idee gekommen, aber ein Mitglied der Freiwilligen Guggenmusik Überdruck lud meinen Mann und die Kollegen ein. Ich dachte erst mal , dass das ganz schön laut und schräg sein wird und steckte Oropax ein.

Als erstes fielen mir drei Waldgeister auf.  Okay dachte ich. Da gibt es dann auch was zu sehen. Gleich danach begegneten wir einer dunklen Truppe. Die Nuilermer Schlierbachfetzer:

Gugge

Geniale Justaucorps in schwarzem Brokat. Alles eingestaubt und mit Spinnweben. Schaurig schön die Musik. Man hörte die Knochen klappern.

Justaucorps

Maske

nochmal Justaucorps

Von all den vielen Gruppen habe ich kaum Fotos oder nur nichtssagende machen können.

Eine geballte Ladung Legolas:

Legolas

Gugge Legolas

eine Gruppe Getier:

Gugge

Und dann die Gruppe der Waldgeister vom Anfang aus Lichtenstein. Die Guggamusik Plunderhüüsler bot unendliches Augenfutter: die vielfältigsten Stoffe und zwischen gefilzten, genähten und gehäkelten Blättern eine  Unzahl von Waldtieren.

Plunderhüüsler

Plunderhüüsler

Plunderhüüsler

Plunderhüüsler

Einfach der Hammer, was in diesen Kostümen für Arbeitsstunden stecken müssen.

Und hier noch was zum Hören von der Freiwillige Guggenmusik Überdruck: watch?v=x4GHj2tE5wo

der dritte Tag … und Mode, die dick macht

Gestern waren wir den dritten Tag beim Hühnerturm am Arbeiten. (Ich selbst allerdings erst den zweiten.)  Das Gras, dass jetzt das ganze Jahr schon wuchs ist jetzt fast vollständig  ums Haus mit der Sichel von meinem Mann gemäht worden. Ein vorwitziger Fuchs dachte, er wird nun von uns ins Gelände gelassen und streckte meinem Mann die Schnauze durch den Zaun. Die Lehmgrube zum Weiterbaien ist nun wieder sichtbar.

Im Garten gibt es jetzt zwei Wege, die mit Holzabfällen,  gegen sich sammelndes Wasser,  etwas trockengelegt sind. Vorne sieht man  den gepflanzten Frauenmantel im mittleren Beet. Gesät sind Ölkürbis, Wilde Karde, Wurzelpetersilie, Borretsch und Ringelblumen.  Dummerweise haben die Hühner gleich gemeint, sie dürften auch dort scharren.  Auch daraufgelegtes Stroh hielt sie nicht ab. So sind wir gespannt, was überhaupt  aufgeht.

Gartebneete

Die rechten und linken Beete bleiben erst einmal zum weiteren Verrotten so  stehen. Gepflanzt und gesät wird dort nächstes Jahr.

Und nun zur Mode, welche ich  demletzt trug:

Kleid Mittelalter

Der Faltenwurf und die Gêren sind eindeutig im 12. Jahrhundert so  angeordnet, dass die Dame fülliger erscheint. Frau konnte so eine gesunde runde Figur machen und zeigen, dass sie auch Hungerzeiten übersteht.

Erst in der Mode des  13. Jahrhundert  setzte man die Gêren und somit den Faltenwurf  mehr in Brusthöhe oder sogar höher an und auch waren Kleider in der höfischen Mode dann überlang. Es war ein warmes Jahrhundert mit zwei Ernten im Jahr. Erdbeeren gab es um  Stuttgart schon im Februar.  Also wollte frau eine Mode, die schlank macht.

Aber wie so oft ….  das einfache Volk hatte  keinen Wandel in der Mode. Warum auch.

PS: das Überkleid ist handgenäht.

Es ist zerschnitten

… das gute alte handgewebte Bauernleinen. Lange habe ich es nicht gewagt, da es für mich unersetzbar ist.  Wenn man bedenkt wie viel Handwerk allein in so einem Stück Stoff steckt wird man ehrfürchtig. Solch ein Stück Stoff stellt heute niemand mehr her.

Da es übergroße Kissen mit handgesticktem Festonrändern waren, trennte ich diese Streifen sorgfältig so ab, so  dass ich sie später noch verarbeitet kann. Vielleicht werden es Teile für eine Patchworkdecke? Dekoelemente an Kleidung?  Geschenkbehälter für Menschen, die so was schätzen?

Den Stoff selbst wird ein handgenähtes Hemd für meinen Mann werden. Das Probehemd hatte ich schon hier besprochen.  Nun habe ich wieder ein schönes Vorhaben um es abends bei Kerzenschein oder Lagerfeuer  zu nähen.

(Zwischenzeitlich sind eine weitere unauthentische  Mittelaltersachen mit der Maschine entstanden: eine Hose, ein Kleid zum Arbeiten. Man muss ja nicht übertreiben, gell?)

Hemd des hl. Ludwig

… oder wie lang war eine Elle wirklich?

Am Wochenende habe ich mit meiner neuen Bronzenadel weiter genäht und die Bruche ist bald fertig. Nun bin ich zwischenzeitlich aber gefragt worden, ob wir Gewandung verleihen könnten. Nunja, doch wenig, aber ich bräuchte ein Probehemd von einer Rekonstruktion eines bäuerlichen Leinenhemdes angelehnt an das Hemd des heiligen Ludwigs (A. Sturm in Karfunkel 71).

Annahme, die Webbreite ist eine Elle (Saumweite ohne eingesetzte Gêre in der Mitte) und Hemdlänge von Schulter zu Saum gut anderthalb Ellen lang, dann würde das Hemd 120 lang beim bayrischen Maß. Das erscheint mir als kurzes Hemd etwas lang. Bei der Hypothese von 60cm = 1 Elle, würde das Hemd immer noch gut 90 cm lang werden. Das ist reichlich und die Bruche wäre auch verdeckt.

Unlogisch ist, dass die Webbreite des Bauernleinens 80cm  beträgt. Diese Breite ist ja auch geschickt bei Männern mit Schultern. Da es üblich war ohne Verschnitt zu arbeiten (also die volle Breite ausgenutzt wurde)  und diese Webbreite oft auch als Elle angegeben wird. Somit wären wir wieder an dem erbsenzählerischen A hängen geblieben. Das gibt einfach nur Knoten im Kopf.

Letztendlich zerschneide ich mal das Ikeapseudoleinen, als hätte es die Webbreite meinen Bauerleinens und jongliere die Hemdlänge auf tragbar. Einmal Elle lang, einmal Elle kurz …

Fotos haben wir vergessen zu machen

… aber passen tut das Häubchen meinem Barden und nützlich bei der Kälte ist es auch.  Ich denke mal, ihr habt schon die Männermützchen auf Märkten und in Lagern gesehen, die das Mannsvolk so trägt. Ja … genau die, die wie Babymützchen aussehen. Die Welt ist es ja jetzt nicht, aber mein erstes durch und durch handgenähtes Teil. Praktisch ist das Handnähen auch, denn es ist gut mitzunehmen und genauso kommunikativ wie Sockenstricken abends auf Fortbildungen am Kaminfeuer.

Ja eigentlich wollte ich nur mal hier anmerken, dass es mich noch gibt.

Ablassbriefe für Nähsünden im Mittelalter …

… hat es so was gegeben? Vorsorglich habe ich einen als gesittete Dame bei der Kathedrale in Beilstein gekauft. Auf dass ich nicht ewiglich im Fegefeuer wegen Missetaten und Verbrechen an der authentischer Näherei im Fegefeuer schmoren muss.

So kann ich jetzt im reinen und unschuldigen Zustand zurück an die heimische Nähmaschine.

Also … die Kleiderschnitte sind raus gemacht. Im Prinzip unterscheiden sie sich nur in einer geringen Weitendifferenz bei Vorder- und Rückteil und etwas bei der Länge. Diese sind ja nur gerade Teile. Egal, ob für Frau oder Mann. Eingesetzte Stoffkeile an den Seiten oder gar in der Mitte geben Weite und Gestaltung. Ich habe jede Gewandung mit verschiedenen Buntstiften aufgezeichnet, sonst verwechsele ich am Ende noch die dazugehörenden Gêren oder Ärmel. Auch das Mönchsgewand wird an den Seiten Gêren haben. Allerdings nicht erst ab Taille, sondern schon weiter oben beginnend. Eine übliche Vorgehensweise und stoffsparend. Jetzt schneide ich gerade die Stoffe zu.

Achje … fragt mich doch jetzt nicht, ob der Schnitt 1150 oder 1250 üblich war. Ich werde bei nächster Gelegenheit nochmal einen Ablassbrief kaufen.

Da fällt mir ein, es gibt einen fast authentischen Schnitt Nr.7977 von Burda. Höllenfenster gab es aber erst Ende des 13.Jhd.

Die Diva von Adventon

Der letzte Eintrag hier ist lange her. Vom letzten Wochenende im Mittelalter hängt schon die erste Wäsche auf der Leine. Der Rest ist noch feucht und riecht nach Feuer, Lehm und Tieren.

Wir waren wieder in unsrem Lieblingsdorf einen Zaun flechten. Der Zaun ist für den Garten des Hauses von 1507. Dort flechtet der Siedler die Zwischenräume des Fachwerkes mit Haselnussruten aus.

Zaun am Hühnerturm

Zwichendrin grunzte es recht geschäftig neben uns. Diva hatte ein paar Körner zwischen den Ästen entdeckt.

Diva von Adventon

Der Samstag war recht feucht, aber warm (arbeiten konnte ich lediglich im Unterhemd; züchtig wie Herrschaften herumlaufen, war da nicht drin :D … und zum Glück haben wir jetzt schon ein paar Wechselklamotten. Ich mehr als mein Spielmann. Da muß ich noch was ändern. Mein Barde spiele abends auf dem Scheitholz und einer Gitarre. Ich fing noch an den Schnitt für die Bundhaube zu testen. Vom Ergebnis werde ich später berichten.

Das Übernachten im Auto ging. Ich selbst kam nur wenig zum Schlafen, da auch noch spät in der Nacht ein paar Besucher ewig den Motor laufen liesen, um sich lauthals zu Verabschieden. Am Sonntag flochten wir dann die restlichen etwa vier Meter langen Äste ein, bevor es richtig anfing zu regnen. Der Zaun ist nun einen halben Meter hoch. Ob das für die Hühner reicht? Das Schwein konnte jedenfalls nicht mehr durch.

Festhalten kann ich, daß Hemden, die zum Einsatz bei der Arbeit geeignet sein sollen, unbedingt eingesetzte Rauten oder Vierecke unter den Achseln für die Bequemlichkeit haben sollten. Meine Schitte passe ich immer mehr dem an, was vermutlich so gewesen sein könnte.

Nebenbei habe ich mit Erschrecken festgestellt, daß mein Kleiderschrank für das 21.Jahrhundert bald mehr Lücken aufweisst, als unser Kleiderständer fürs Mittelalter. Bedenklich.

Aber egal. Erstmal habe ich noch ein staufisches Projekt vor. Für den Markt am Rumpenheimer Schloss werden wir zu sechst sein. Ein edles Paar mit Magd. Gewänder für Kammerzofe, Gelehrter und Hausmönch fehlt noch. Ich werde berichten.